20. Oktober 2019

Das Online-Ahnenbuch der Familie Windbichler

Kapitel 14: 1945 – April bis Juni

Hinweis: Die Kapitel 13 bis 15 beinhalten Eintragungen aus dem Gedenkbuch meines Großvaters Johann W. II, die sich mit den Ereignissen im März 1938 (Kapitel 13), der Zeit des Kriegsendes zwischen April und Juni 1945 (Kapitel 14) und den Zuständen im sowjetisch besetzten Österreich (Kapitel 15 ) beschäftigen. Im gedruckten Buch werden diese drei Kapitel unter dem Sondertitel “Die Tage, als aus Österreich die Ostmark wurde und die Zeit, als der 2. Weltkrieg zu Ende ging” als eigenständiger Teil geführt.

Kriegsende
Aus meines Großvaters Erinnerungen

Am 30. 03. 1945 um circa 4 h nachmittags sind ich und Mutter mittels Auto nach Holzerhöfen zur Ponweiser Hannerl geflüchtet u. haben das notwendigste mitgenommen. Um circa 6 h fuhr Hansl mit Hilda, Hansi und den Mädchen Gretl Auracher u. Theresia Handler und mit nötigem Gepäck nach. Das Auto ließ er mit vielem Gepäck bei Schrammel in Zaunegghof. Hansl ging allein wieder zurück nach Bromberg u. fand schon in der Wohnung einen Ungarn, der ausräumen wollte, welchen er hinaus jagte. Um 2 h 20 Samstag früh kam der erste Panzer beim Baumgartner Wirt an und so ging es lange Zeit mit den Panzern fort gegen Wr. Neustadt. In Erlach war Widerstand, wo 18 Panzer abgeschossen wurden, aber nicht aufzuhalten waren. Die Russen ziehen ununterbrochen durch u. wurde dabei geplündert und verwüstet u. Frauen u. Mädchen vergewaltigt ohne Rücksicht.

Am 31. 03. nachts (Karsamstag) brannte das Roggenburg Nr. 157 ab wo die Parteien Floner Johann und Fellner wohnten.

Am 31. 03. 45 wurde der Turm von der Annakirche bei Wiesmath durch eine Bombe abgeschossen u. am 02. 04. brannte das Putzenbauer unter der Anna Kirche ab.

Am 01. 04. (Ostersonntag) um 10 h vormittags ist unser Haus Nr. 16 bis auf den Grund durch deutsche Bomben (Spreng- und Brandbomben) niedergebrannt. Sämtliche Einrichtung, Möbel und Wäsche, Warenvorräte wurden vernichtet, es blieben nur die Mauern stehen. (Anmerkung: Wahrscheinlicher ist, dass das Haus von durchziehenden Russen bzw. Zwangsarbeitern in Brand gesteckt worden ist).
Am 01. 04. auf 02. 04. ist das Kaufmannsgeschäft und das Wohnhaus v. Roggenburg samt den Vorräten total niedergebrannt. Auch gleichzeitig das Baumgartner Wirtshaus total niedergebrannt. Letztere Gebäude Roggenburg und Baumgartner sind angezündet worden.

Am 01. 04. auf den 02. 04. nachts hat sich Franz Roggenburg jun. samt Frau Stefanie Roggenburg geb. Aichinger, durch Erhängen bei Schwarzl im Schlagergraben das Leben genommen. Sie wurden im Wald beerdigt bis man wieder zum Friedhof kommen konnte. (Am 28. 10. 45 wurden sie am Friedhof beigesetzt.)

Martin Handler (Schützenhof) hat seine Frau Karoline Handler geb Schilcher aus Theresienfeld und seine 2 Buben Martin 10 Jahre alt und Fritz 6 Jahre alt und sich selbst erschossen . Auf dem kleinen Hartberg wenn man zum Langegger geht teilen sich 2 Wege und auf dem nach Breitenbuch wurden von Frau Lechner (Schwester) alle 4 erschossen aufgefunden. Ein Russe wollte die Frau vergewaltigen, auf die Hilferufe kam Handlerin, warf den Russen auf den Boden, worauf der Russe gesagt hat, er holt Kameraden u sie würden erschossen. Sie wurden am Friedhof beerdigt.

Am 01. 04. 45 ist der Bürgermeister Karl Steiner im Spritzengraben erschossen worden. Es wurde v den Russen in sein Haus hinein geschossen, worauf er mit seinem Gewehr vor die Haustüre trat u im selben Augenblick schossen ihn die Russen nieder (es sollen Polen gewesen sein). Er wurde bei seinem Haus begraben. (Am 22. 04. kam er in den Friedhof.)

Am 02. 04. wurde die Frau Titz wegen Abwehr von einer Vergewaltigung von Russen erschossen. Gleichzeitig danach kam der selbe Russe am Steinhof, der alte Dominikus Pichler, 82 Jahre alt, ging vom Wirtschaftshaus in sein Ausnahmsstübel, der Russe rief ihn an stehen zu bleiben, da er gehörlos war, blieb er nicht stehen und wurde erschossen. Beide, Titz und Pichler wurden in der Nähe des Hauses beerdigt, am 19. 04. wurden beide im Friedhof beerdigt.

Der Tierarzt Dr. Winkler aus Wiesmath wurde im Stanglgraben im Obstgarten von Frühwirth am 03. 04. 45 erhängt aufgefunden, am 28. 10. 45 nach Wr. Neustadt überführt.

Vom 02. 04. an wurde Wr Neustadt von den Russen besetzt. Die Kämpfe auf der Hohen Wand, Gutenstein, Piesting, Rax, in den Hochgebirgen dauern schon 3 Wochen, was durch die SS gehalten wird, noch an.

In Schlatten N 54 bei Heißenberger (Elekt.) wurde ein Lazarett am 03. 04. errichtet welches bloß 2 Tage dauerte. Es kamen Transportverwundete und auch Verwundete durch den Widerstand in Erlach in Betracht.

Am 03. 04. hat sich Ernst, Bauernführer (war vorher Pächter vom Milchrahm-Haus in Hart) v Hollenthon, seine Frau, 5 Kinder, 1 Dienstmädchen u sich selbst erschossen.

Am 03. 04. brannte das Bernhard gänzlich nieder u der Pfarrhof, was Wohngebäude anbelangt, auch da sind sämtliche Möbeln, Bücher u Wäsche, Kleider kurz alles zu Grunde gegangen. 80 Eimer Most haben die Russen ausrinnen lassen, die Ochsen, Kühe, Schweindln weggenommen.

Am 04. 04. 45 wurden am Ohaberg der Truppenführer v Arbeitsdienst v Wiesmath, Stransky mit Frau und Kindern u Mutter v den Russen erschossen u dort beerdigt. War Parteigenosse. (Am 01. 04. 46 wurden dieselben am Friedhof Bromberg beerdigt).
Am 05. 04. um circa 6 h ist durch einen Flieger bei J. Piribauer Steinbichl N 25 Scheuer, Schupfe und das Dach vom Stall abgebrannt.

Geraubt u geplündert u verwüstet wurde beinahe in jedem Haus. Das Auto von Hansl stand beim Schrammel Zaunegghof beladen mit Koffern, Kisten und Gepäck, was alles gestohlen wurde.

Das Auto vom Roggenburg stand im Schlager Wald, wurde auch gestohlen.

Vom Leichenwagen wurden das Dach und die 4 Stützen weg genommen u gestohlen. In der Kirche wurde von der Orgel der Blasbalg durchschnitten.

Im Windbichler Gasthaus wurde gezecht u gefressen und zum Schluß alles ausgeraubt und alles beschmutzt und als Abort verwendet.

Der Schützenhof ist von Erlacher und Pittner Arbeitern ausgeräumt worden u steht ganz leer da, nicht eine einzige Henne ist zu sehen.

Am 06. 04. wurde Peter Kögler Schlatten 39 Bürgermeister, derselbe hat nur Pflichten, aber keine Rechte, ist hauptsächlich wegen der Ernährung aufgestellt worden.

Viel Schuld bei dem Rauben hatten die Polen, die haben alles was versteckt war verraten. Auch haben die Russen wenig Frauenkleider genommen, aber was der Russe stehen lassen hat, hat der Pole genommen. Die Russen gingen großteils nur auf Uhren u Schmuck aus. Die Polen haben ganze Wägen voll weggeschleppt. Die Stachlmühle in U.Bromberg war sozusagen eine Herberge, da wurde alles geplündert u geraubt. Es gibt kein Haus wo sie nicht waren.

Im untern Geschäft vielmehr im 1. Stock in den Zimmern haben bekannte Geschäfte verschiedenes aufzuheben gegeben: z.B. Frau Pollak aus Wien 5 Ballen Stoffe, Herr Knödl aus Wr. Neustadt für 2 Betten neue Matratzen, 1 Bild. Firma Gabriel aus Wr Neustadt 3 oder 4 Koffer mit Schuhen, Notar Lausnausky aus Wr. Neustadtt verschiedene Sachen, was alles verbrannt ist.

Im oberen Haus hat Herr Posch Sattlermeister aus Wr Neustadt 2 Kisten Lederwaren, Frau Heinisch einige Kisten Herren- u Frauen-Wäsche, H. Kuderna aus Wr. Neustadt viele Kartone Schul- u Schreibrequisiten, Frau Laferl 2 Sesseln, ein Sofa und einen Tisch, H. Strasser Obmann v Wr. Neustadt 2 wunderbare Kästen mit Wäsche aufbewahrt. Die Kästen wurden zerschlagen und der Inhalt von sämtlichen Kisten und Kartons geraubt.

Der Wert von den gestohlenen, geraubten und verbrannten sowie verwüsteten Sachen ist für unsere Verhältnisse enorm.

Ereignisse in Holzerhöfen:</center

Am 05. 04. kamen vormittags 3 Russen und plünderten alles Mögliche u. nachmittags kamen wieder andere u. plünderten. Abends saßen wir alle in der Küche, da kamen 2 junge Leger (?) und suchten die Gretl welche sie vormittags auf der Nähmaschine gesehen haben. (Doch inzwischen hatten die Eltern von Gretl diese nach Scheiblingkirchen nach Hause geholt). Das waren Verzweiflungsstunden. Da unsere Gretl nicht da war wollten sie die Gretl v d Hannerl. Da auch das ihnen nicht gelang drohten sie uns mit dem Erschießen u .z. 2 mal. Da wurde der Löw Mitzi unwohl und fiel zusammen, wo alles zu Hilfe eilte, daraufhin gingen die Russen fort. Fast täglich hatten wir Besuch v d Russen.

Diese obige Erinnerung des Großvaters greift – aus meiner Sicht! – zu kurz!

Ich war damals gerade erst fünf Jahre alt, aber die Szenen jenes Abends haben sich bei mir unauslöschlich eingeprägt. Ich glaube, ich könnte sogar noch die Sitzpositionen der einzelnen anwesenden circa zehn Personen in der geräumigen Küche rekonstruieren.
Die Grundgeschichte des Großvaters stimmt ja, aber die weiteren Ereignisse waren viel dramatischer.
Die zwei Soldaten, ein Weißrusse (Offizier?) und ein Kasache, die damals allgemein als Mongolen bezeichnet wurden, standen in der Küche und der „Mongole“ wollte unbedingt eine junge Frau mitnehmen. Meine Großmutter stellte sich energisch dazwischen. Da versuchte der Mongole, ihr das am Herd stehende große Häfen mit heißem Wasser über den Kopf zu schütten. In diesem Moment sprang der Großvater auf, riß sein Hemd auf und schrie: „Erschießt mich!“. Der Mongole hob das Gewehr in Großvaters Richtung.

In diesem Augenblick fiel die hochschwangere Frau Holzer (Löw Mitzi) in Ohnmacht und zu Boden. Das war für die zwei Soldaten zu viel! Sie verließen (wohl auch geschockt) blitzartig den Raum und wir hörten nur noch, wie der eine das gesamte Magazin seiner MP in den dunklen Nachthimmel abfeuerte.
Langsam kehrte herinnen wieder Ruhe ein. Wie lange der eben überstandene Schrecken allerdings bei den Erwachsenen noch nachwirkte, weiß ich natürlich nicht.

Am 08. 04. kamen abends 2 Russen mit dem Polen v. Reisenbauer, haben geplündert u blieben dann über Nacht. In der Früh ist der Pole den Russen abgefahren. Obwohl die Russen den Polen verfolgten, da er sie belogen hat, konnten sie ihn nicht einholen. Der Pole hat die Russen herauf geholt, damit er beim Stehlen von 2 Koffern Deckung hatte.

Am 09. 04. ist Hansl, Hilda, Hansi u Resi nach Bromberg gewandert.

Am 10. 04. kamen 3 Partisanen zum Schwarzl u suchten die Tochter des Schwarzl. Da sie dieselbe nicht fanden, wurde geraubt und geplündert. Spät nachmittags kamen 2 Partisanen zum Schafgraber und haben gestohlen u verwüstet. Diese beiden Partisanen kamen in der Früh zu uns. Einer trat ganz frech in die Küche, er wurde gefragt was er will, so sagte er, er will sich was anschauen. Da zufällig der Sohn von der Schwester aus Hochwolkersdorf mit einem Reitpferd hier war, sagten wir daß ein Offizier hier mit 2 Mann streifen tut, worauf sie verschwunden sind.

Am 12. 04. kamen 3 Russen nach Holzerhöfen und Michlbach u holten sich 3 Fahrräder. Und kamen täglich Aufregungen da fort geplündert u verwüstet wird u zwar hauptsächlich v. Polen.

Am 13. 04. ist die Löw u. Holzer mit Peterl v. Holzerhöfen fort.

Am 13. 04. sind 2 rumänische Partisanen im Reisenbauer Stübl übernachtet und in der Früh kamen sie zum Schafgraber um Cigaretten und plünderten.

Am 14. 04. kamen in der Früh zwei junge russische Soldaten zum Reisenbauer um ein Frühstück. Sie wurden bewirtet, dann kamen dieselben zu Hannerl wo sie eine Eierspeise bekamen.

Am 15. 04. hat Hansl verschiedene Sachen vom Roggenburg bei Schwarzl mit Heißenberger Hofernazl Fuhrwerk weggeführt. Auch für uns nahm er von der Hannerl mit.

Am 15. 04. gab der Führer bekannt daß Nieder Donau in den Händen der Russen ist. Goebbels sagte im Radio: „Die deutschen Österreicher, die Schweine, haben uns im Stich gelassen.“ In Schlatten waren 75 Volkssturmmänner mit 8 Gewehren, wie ist da eine Gegenwehr möglich?

Am 19. 04. haben 3 Russen mit einem Wagen und 3 Pferden bei Eisinger geplündert u auch schon v Schlag herunter haben sie dasselbe gemacht u fuhren vollgepackt gegen 3-buchen, höchstwahrscheinlich ins Burgenland.

Am 21.04. kamen am Abend (Russen?) zum Piribauer Wirt in Ob.Schlatten, ersuchten zwei Frauen sie sollen für den Kapitän in der Schule ein Essen richten. Die beiden Frauen gingen auf das ein, wo sie vergewaltigt wurden, und Kochen nur ein Vorwand war.

Am 23. 04. kam ein großer Nachschub, 3 Divisionen v Russen um 11 Uhr nachts in Bromberg an. Da mussten oben die jungen Leute 3 Russen in ihren Betten übernachten lassen u so ging es immer fort. Der Durchzug dauerte bis 27. 04. abends.

Am 27. 04. kamen 2 Russen in die Holzerhöfen und wollten 2 Pferde, da dieselben am Feld waren, ließ Hannerl die Pferde in den Wald führen, wo man sie nicht fand. Zufällig war der Baumann dort der sich als Kommissär ausgab und so gingen die Russen wieder weg. Abends als wir alle beim Nachtmahl waren, kamen 2 berittene Russen, der eine beleuchtete die Wohnung und suchte bloß Mädchen, da ihnen zu viel Leute anwesend waren, stiegen sie wieder zu Roß und ritten nach Steinbüchl, wo sie die Tochter v Piribauer vergewaltigten.

Um 10 Uhr nachts kamen sie zum Reisenbauer um zu übernachten.

Am 27. 04. kam ein Ukrainer um ein Pferd zur Hannerl und suchte sich von den beiden Pferden eines aus und sagte er wird es holen, ist aber nie mehr gekommen dann.

Am 28. 04. soll Mussolini in Mailand von seinen eigenen Leuten erschossen worden sein.

Am 30. 04. musste Schafgraber das Milchführen für Nestle übernehmen.

Radio hat gemeldet dass am 15. 04. Dr. Schussnig im Konzentrationslager erschossen wurde, was aber nicht auf Wahrheit beruhte.

Am 30. 04. kamen 4 Wägen und ein Auto. Letzteres mit 4 Russen und 2 Juden nach Schlag und nahmen alles mögliche, Mehl Schmalz Schweine Eier u. Rinder. Schrammel wurde wie auch die Schlager Wirtin gänzlich ausgeraubt, hat bloß mehr 3 kleine Schweindln.
Am 02. 05. kamen 4 Russen angefahren u suchten nach Buschka. Bei dieser Durchsuchung fanden sie 1 Pkt. russischen Tabak welchen 2 Russen beim Übernachten liegen gelassen haben, das war eine fürchterliche Aufregung bei den Russen. Die glaubten wir haben einen Russen getötet. Sie nahmen 15 Eindosierungs Gläser und Schweinefleisch. Am gleichen Tag circa 1/2 4 Uhr kamen wieder 4 Russen und suchten wieder nach Buschka, einer davon suchte mit Begleitung einer Person vom Haus, alle Räume durch und zogen wieder ab.

Am 03. 05. Abends um 1/2 7 Uhr kamen 2 Russen angefahren u. holten bei Hannerl 2 Sack Hafer u. bei Reisenbauer 1 Sk. Hafer 1 Sk Mehl, diese Russen führte der Sagmeister zu den Bauern welcher von Russen bezahlt wurde dafür.

Am 04. 05. Abends kam der Spenger Polak mit einem Russen, derselbe verlangte 200 Eier, da Hannerl keine hatte, ging er zu Reisenbauer verlangte 20 Hennen 1 Schwein u. bei Schafgraber auch dasselbe, es wurden ihm schon 10 Hennen in einen Sack gegeben, da fragte Schafgraber Sohn um eine Berechtigung, worauf er sagte die Hühner sollen sie wieder ausleeren u. sagte er kommt morgen, ist aber nicht mehr gekommen.

Am 05., 06. u. 07. war kein Russe in Holzerhöfen.

Am 07. 05. um 1 Uhr früh hat Deutschland kapituliert.

Am 08. 05. Nachmittags hat uns Hansl u. Hilda von Holzerhöfen geholt mit dem Fuhrwerk v. Heißenberger (Hofer Nazl).

Hier enden die Ausführungen über die Ereignisse in Holzerhöfen.

Es ist kein Haus wo nicht die Russen geplündert u. verwüstet haben.

Mitte Mai hat Japan den Russen den Krieg erklärt.

Am 20. 05. Pfingstsonntag wurde eine feierliche Messe gehalten wonach zum ersten Male wieder die Volkshymne auf der Orgel gespielt wurde.

Am 20. 05. kamen noch Russen von Bruck a.d.Mur zurück um Erdäpfel da dort keine zu bekommen waren.

Am 02. 06. 945 mussten die Parteigenossen von den Nazi, die Auto-, Motorrad- Fahrräderbestandteile welche in der Gemeinde von den Russen zurück gelassen wurden zusammen räumen.

Am 04. 06. fing die Schule in Bromberg unter Schulleiterin Mayerhofer an.

Durchzug der Russen aus Steiermark am 05. 06. zogen einige Lastauto durch Richtung Wiesmath und Ungarn zu.

Am 06. 06. zogen dieselbe Richtung schon mehrere u. 07. 06. über 100 Lastauto, auch Vieh circa 30 Stück wurden durch getrieben.

Am 07. 06. um 1/2 8 Uhr Abends zogen Fußtruppen v. Erlach über Stupferei Richtung Hochwolkersdorf. In Stupferei wollten die Russen vom Baumgartner Wirtschaftsbesitzer Pferde haben, da er sagte er geht um die Polizei, so wurde er erschossen. Leichenbegängnis am Samstag um 9 Uhr Vormittags.

Am 08. 06. ging in aller Früh der Durchzug mit Lastauto, Pferdefuhrwerk und Fußtruppen wieder an. Die Wägen sind vollgepackt mit allen möglichen Sachen, welche geraubt wurden. Es ist wohl eine russische Polizei hier aber die leben hier sehr gut und scheren sich um Niemand. Es wird von ihnen Most von den Bauern weg genommen u. besaufen sich. Von niemand bekommt man Hilfe.

Am 14. 06. 945 mußten die Pg. v. Hitler sich in Wr. Neustadt verantworten, was bloß Pg. waren bekamen eine Rüge u. konnten nach Haus gehen. Die Illegalen Franz Piribauer Gastwirt Ob.Schlatten, Josef Hendling Bauer Mayerhöfen, Schneeweis Wirtschaftspächter, Reisenbauer v. Michlbach, Milchrahm Arbeiter in Schlatten mussten in Wr. Neustadt verbleiben und wurden zu Arbeiten herangezogen. (Am 14. 07. kam Hendling und am 19. 07. Piribauer Fr. nach Hause, am 12. 10. kam Milchrahm zurück).

Am 14. 06. 945 versuchte Gend.Insp. Annerl beim russischen Kommando in Wr. Neustadt um Beistehung einiger Mann von der Polizei, um Abhilfe zu schaffen von den vielen Überfällen von Frauen u. Räuberei.

Die Gendarmerie wurde am 30. 03. 945 aufgelöst. Da der Insp. Annerl russisch konnte, so konnte er als Dolmetsch bleiben.

Am 16. 06. 945 wurde die Gendarmerie von Amerikanern unter Insp. Annerl wieder eingesetzt.

Am 15. 06. sollten die Russen von dem amerikanisch besetzten Gebiet abziehen. Da aber 800-tausend Russen hier waren und die Transportmittel schlecht waren, so ging es länger her. Überhaupt wollten die Russen nicht weg, da es ihnen noch nie so gut gegangen ist, als in unserem Land. Russische Offiziere sagten wenn unsere Leute in Russland wären, so wäre Russland das reichste Reich von

der ganzen Welt. Aber die Russen sind ein faules Volk u. haben keine Kultur.

Hier in der Gemeinde wird noch immer geraubt. Offiziere kommen mit Luxusauto und rauben was sie erwischen können. Von Wien kommen sie zurück und verlangen Eier, Butter, Kirschen, Hendln, Kartoffeln u. Vieh. Einige bezahlten was sie genommen haben, aber nicht einmal die Hälfte des Wertes. Andere bezahlten überhaupt nichts.

Am 16. 06. kamen 3 Mann russische Polizei. Am selben Tag wurde beim Hendling Edinggraben Leder geraubt, wo sofort nur die Polizei geschickt wurde. Natürlich ließ sich die Polizei so lange Zeit bis die Räuber (Russen) fort waren. Aber dafür hat ein Polizist einen Privaten begegnet und ihm Uhr u. Geld abgenommen, das heißt man Polizei.

Am 21. 06. 945 kamen Russen zum Seidl Bauer in Klingfurt 146 und erschossen ein Schwein und haben es in der Scheune abgehaut und das Haus angezündet welches total niederbrannte.

Am 25. 06. früh zogen circa 15 vollbeladene Wägen v. Russen von Erlach kommend durch das Schlattental. Trotz dass die Wägen schon schwer beladen waren, haben sie bei Handler Wirt bei helllichtem Tag bei einem Fenster eingebrochen und geraubt. Stachl Mühler (Brenner) haben sie 2 Pferde auch mitgenommen. Vom 25igsten auf sechs und zwanzigsten wurde dem Haller Martin in Schlatten 39 ein Schwein gestohlen, bei Trinkl 80 derselben Nacht Hühner und Hasen gestohlen.

Am 26. 06. haben Russen einen Eber bei Neubauer in Dreibuchen N 71 gestohlen, da sie v. Gendarm erwischt wurden, mussten sie denselben zurück geben, daraufhin stahlen sie bei Weninger Eichleiten ein Schwein und in der Früh am 27. 06. 10 Hühner, und von da gingen dieselben zum Haller (Gneisschneider N 111) und vergewaltigten Frau u. Tochter.

Was jagdliche Beziehung ist, ist der Russe kein Jäger. Die schossen Reh und Hasen im April, Mai, Juni überhaupt daweil sie da waren zu jeder Zeit. Gaisen Kitz tragende, Hasen was ihnen unterkam. Mit dem Schießen waren sie verrückt, den ganzen Tag wurde auf alles mögliche geschossen, welche sie sich in den Bauernhäusern herrichten ließen. Eine Lieblingsspeise war Eierspeis.

Am 29. 06. kamen Russen mit einem Lastauto und nahmen ohne Bescheinigung beim Baumgartner Mühler 2 Säcke Mehl, da gerade Polizei da war mussten die R. das Mehl zurückgeben, die fuhren zu ihren Offizieren und diese kamen mit einem Luxusauto und holten das Mehl vom Baumgartner aber auch ohne Bescheinigung.

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