20. Oktober 2019

Das Online-Ahnenbuch der Familie Windbichler

Kapitel 2: Bromberg

Siehe Bild 1: Marktwappen

Aus meines Großvaters Aufzeichnungen:

»In Bromberg (1144 Bramberch) steckt der Dornstrauch. Althochdeutsch wurde der Bramo, mittelhochdeutsch der Brame, Prame genannt; erst später verengte sich der Begriff auf den Brombeerstrauch. Der Name bedeutet somit „den mit Dorngebüsch bewachsenen Berg.“ (Abschrift aus einem Buch).«

Nun aber zur kirchlichen Bromberger Historie:

Siehe Bild 2

Jedenfalls war Bromberg ab 1144 bereits eine selbständige Pfarre, wiewohl auch behauptet wird, dass schon um 1093 eine Pfarre Bromberg existierte.

Ab 8.6.1160 war dem Stift Reichersberg das Recht gegeben, in Bromberg durch einen Chorherrn die Seelsorge wahrzunehmen. Das war wohl der Ausgangspunkt für die spätere Mutterpfarre Bromberg.

Bromberg muss also im historischen Dunkel der mittelalterlichen Zeit Bedeutung besessen haben. Wieso sonst hätten sich die Chorherrn des Stiftes Reichersberg in der ihnen geschenkten Waldmark gerade Bromberg ausgesucht, um von hier aus die Christianisierung dieses Gebietes zu starten?

Noch dazu, wo Thernberg verkehrsgünstiger und wohl auch besser, weil gräflich behütet, gewesen wäre und unmittelbar daneben liegt. Und Thernberg lag auch an der Kreuzung der Straßen nach Güns und durch das Schlattental, war also für die Bekehrungsvorhaben bestens lociert. Doch es kam anders.

Jedenfalls ist Bromberg in vieler Hinsicht mit der r. k. Kirche verbunden, ja ohne diese und ihre Christianisierungsbestrebungen nicht vorstellbar. Seitenlang wird in diversen Publikationen dieser alten Zeiten gedacht. Sie werden dabei mehr oder weniger korrekt beleuchtet.

Immerhin war anfangs das Pfarrgebiet riesig und reichte von der Pittenau bis zum sogenannten Hartberg (Grenze zur heutigen Steiermark?), während die Ostgrenze die gegen Ungarn war.

Wichtig in jener Zeit waren vor allem die Zehentrechte, die auch immer wieder Anlass zu allen möglichen Streitigkeiten gaben.

In Bromberg hatte das Stift Reichersberg eine „Zehentburg“ und überliefert ist auch, dass viele Stiftspröpste, wenn sie in die Gegend kamen, gerne in Bromberg abstiegen.

Aus der Mutterpfarre Bromberg gingen durch Gebietsabtrennungen im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte viele der weiteren Pfarren unseres Gebietes hervor. Womit die kirchliche Bedeutung Brombergs auch abnahm.

Dank der kirchlichen Bemühungen hatte Bromberg schon sehr früh eine Schule. Schon 1544 wird dies in einem Visitationsprotokoll erwähnt. Ein eigenes Schulhaus gab es ab 1686. Natürlich wurde anfangs eher nur Lesen und Schreiben und später dann auch Rechnen gelehrt, bis es eine feste allgemeine Schulordnung unter Maria Theresia gab. Manche der davor unterrichteten Fertigkeiten muten heute fremd an: Tinte kochen, Hefte linieren usw.

Aber auch die weltliche Seite eines Ortes und seiner unmittelbaren Umgebung bedarf der Hinterfragung.

Siehe Bild 3

Schon vor dem Ende des 1. Jahrtausends dürfte es Gehöfte in der Gegend gegeben haben, die aber durch Magyareneinfälle immer wieder vernichtet wurden.

Um 955 könnte schon eine Dorfsiedlung da gewesen sein. 1042 ist jedenfalls schon der Schützenhof beurkundet.

Um das Jahr 1250 tauchen die Herren von Slat auf, die am Schlossberg in Oberschlatten eine Burg und im Tal ein Schloss (im Bereich Heißenberger-Ponweiser in Unterschlatten) errichteten. Ob nun der Name Schlatten auf dieses längst ausgestorbene Geschlecht zurückzuführen ist oder der Schlattenbach ein Schilfbach war (slate heißt mittelhochdeutsch auch Schilfrohr) und daher der Name Schlatten kommt, ist zumindest strittig.

Anmerkung: Die Sage berichtet von zwei elfengleichen Kobolden namens Grünhütl und Spitzhütl, einer auf der Burg, der andere im Schloss zu Hause, die ihre Spitzbübereien miteinander trieben.

In einer anderen Quelle ist vermerkt, dass es in Bromberg noch an dritter Stelle ein „Erdwerk“ gegeben hat, also eine Basis für eine weitere Befestigung.

Meiner Meinung war diese zuoberst am Kirchenriegel geplant, denn dass man dort eine Kirche bauen wollte, scheint mir, Sage vom Marienbild im Dornstrauch hin oder her, ein wenig weit hergeholt.

Denn neben dem Bergeturm aus dem 12. Jhdt. war ja vor dem Beginn des Kirchenneubaus 1471 schon eine Kirche da.

Wieso hätten sich die Bromberger zusätzliche weitere Höhenmeter antun sollen? Umso mehr als ja um die alte Kirche schon ein Friedhof da war und ziemlich sicher auch die „Michaelskapelle“, also unser altes Steinhaus, dazumal wahrscheinlich als Beinhaus neben dem zu kleinen Gottesacker Verwendung fand.

Bromberg war, wie unser gesamtes Gebiet der Waldmark, immer umstrittenes Grenzgebiet. 1242 verwüsteten die Tartaren das Dorf, 1250, 1252 und 1254 die Kumaren und Ungarn unter Bela, 1271 unter Stephan, von 1470 – 1488 mehrmals die Ungarn unter Matthias Corvinus, 1532 und 1683 kamen die Türken vorbei und 1605, 1619 und 1700 die Kuruzzen. Vom recht bedeutenden Ort Pramberg blieben laut einer Chronik damals gerade einmal neun Häuser übrig. Damit nicht genug, bekamen unsere Vorfahren auch noch die Franzosenkriege zu spüren.

Auch die Pest suchte unseren Ort heim: 1349, 1649, 1684 und 1713. Das Pestkreuz von 1681 konnte also weitere Seuchen auch nicht verhindern.

1569 wird die Gemeinde „Ambt Schlatten“ erstmals in einem Urbar von Kirchschlag erwähnt. Und das älteste Dokument, das in den vielen alten Dokumenten bei uns auftauchte und das im Original nun bei der Gemeinde erliegt, stammt aus 1619.

Siehe Bild 4

Text des Dokumentes vom 12. Juli 1619 (Original im Archiv der Gemeinde Bromberg):

Auf die bey der Kirchschlager Hofhaus
Reparation verwendete Handarbeit treffen die
Gemeinde Amt Schlatten 106 Hand = tag,
welche vom Zimmermeister Reithofer vermög Ui-
bereinkommens geleistet wurden.
Die Gemeinde hat daher denselben mit
seiner Forderung zu frieden zu stellen, und
diesen Betrag zu 106 F an denselben zu bezahl-
len.

Herrschaft Krumbach u. Kirch-
schlag, 12. July 1619
(Unterschrift unleserlich)

Der Ort selbst entwickelte sich langsam, wenn auch unter Urgroßvater Johann Windbichler, geb. 1838, als Bürgermeister unglaublich vieles für den Ort geschehen ist.

Siehe Bild 5 und 6

In der Inflationszeit um 1920 half sich auch Bromberg, Gemeinde Schlatten, wie so viele andere Orte mit eigenem „Notgeld“.

Siehe Bild 9 a – d

Die neuere Gemeindegeschichte ist sowohl durch die im Literaturverzeichnis angeführten Publikationen als auch durch die Ausführungen in diesem Buch („Gedenkbuch“ usw.) hinreichend belegt und bedarf m.M. somit hier keiner weiteren Vertiefung.

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  • Bild 1: Marktwappen Bromberg
  • Bild 2: Bromberg um 1500
  • Bild 3: Gebiet um 859
  • Bild 4: Dokument von 1619
  • Bild 5: Bromberg um 1900
  • Bild 6: Bromberg um 1915
  • Bild 9a: Notgeld um 1920
  • Bild 9b: Rückseite
  • Bild 9c: Notgeld um 1920
  • Bild 9d: Rückseite