20. Oktober 2019

Das Online-Ahnenbuch der Familie Windbichler

Kapitel 6: Altvater

Peter Windbichler,
geb. 6.2.1784, gest. 22.9.1854

Daß Peter Windbichler den 7. Feber 784 / den siebenten Februar Ein tausend sieben vier und achtzig / Sohn des Gregor Windbichler Zuwohners beym Andreas Haberbichler nächst der Pfarrkirch und Theresia dessen Ehegattin gebohren wurde wird hirmit laut Pfarr-Tauf Buch Litt B. Pag. 158 bestättiget

Pfarrhof Bromberg, den 13tn. Jänner 814
Roman Schuhbauer
Pfarrprovisor

Diese Originalbestätigung ist im Familienbesitz (siehe Bild 18).

Dem unterfertigten Pfarrprovisor macht diese Bestätigung aber keine Ehre! Wie damals üblich wurde P.W. am Tag nach seiner Geburt getauft, und das war am 7.2.1784. Geboren wurde er am 6.2.1784, was aus mehreren schriftlichen Anmerkungen meines Großvaters, aber auch aus dem Ahnenpass aus der unseligen Nazi-Zeit, ersichtlich ist.

Mein Großvater, Johann Windbichler, geb. 1866, war ja wirklich ein fabelhafter Chronist, sonst wären wohl so weit zurückreichende familiäre Informationen verloren! Zu seinem Großvater Peter führte er weiter an:

»Auf der Wiese zwischen Karnerhaus (Anm.: heutiges Gasthaus Windbichler) und Hofstätten (Gneist-Ackerl u. Puchegger) stand ein kleines Blockhaus, da haben meinem Großvater Peter Windbichler seine Eltern (Anm.: also Gregor Windbichler und seine Frau Theresia Puz) eine Tabaktrafik (Anm.: und wahrscheinlich auch schon eine Krämerei) gehabt. Wie mein Großvater P.W. die Langin geheiratet hat, wurde die Trafik auf N 115 übertragen, und nach dem Tode der Eltern von Großvater wurde das Blockhaus demoliert (1818 – 1820).«

Allerdings scheint P.W. zumindest das Grundstück behalten und vielleicht dort wieder ein Häuschen errichtet zu haben, weil er 1842/1843 mit vier Hofstättner Bauern wegen eines Gärtchens bei diesem Häuschen in Streit verfangen war und sogar die Herrschaft Krumbach und Kirchschlag um Hilfe anrief. Da bekam er wohl recht, aber die Bauern nahmen das Urteil nicht entgegen. Wie die Sache ausging, ist leider nicht aktenkundig, wohl aber der Streitverlauf:

Protokoll vom 15. Dez. 1842
aufgenommen bei der Herrschaft Krumbach und Kirchschlag in Sachen
Peter Windbichler, Kleinhäusler und Krämer in Bromberg
&
die 4 Hofstätter Bauern namens Simon Ponweiser, Johann Schwarz, Anna Maria Fuchs und Mathias Binder im Amt Schlatten
um Dartuung der von ihnen gemachten Berühmung hinsichtlich meines Gärtchens bei sonst ewigem Stillschweigen.
Gegenwärtig die Gefertigten.
Es erscheint Peter Windbichler, Kleinhäusler und Krämer von Bromberg und bringt:
Über mein mündlich gemachtes Ansuchen wurde am 5. August d.J. hinsichtlich des Anspruches der 4 Bauern der Rotte Hofstätten namens Simon Ponweiser, Johann Schwarz, Anna Maria Fuchs und Mathias Binder auf mein bei meinem Häuschen befindlichen Gärtchen unter Beiziehung der genannten 4 Bauern eine Lokalkommission zusammengerufen und dabei diesen letzteren nachgewiesen durch Aufschlagung des Weges und des Parzellen-Protokolls und erteilter Belehrung bedeutet, dass das oberwähnte Gärtchen nicht auf ihrem Grunde stehe und daher von mir hinwegen nichts anzusprechen hätten.
Ungeachtet dessen aber suchen mich diese Hofstättnerbauern auf alle mögliche Art zu neken und drohen mir auch den Zaun zu meinem mehrgedachten Gärtchen wegzureißen, indem sie noch immerfort behaupten, dass das ersterwähnte auf ihrem Grunde stehe. Dass diese Bauern den Grund von meinem Gärtchen ansprechen und mir drohen den Zaun von selbem wegzureißen, kann ich im Falle ihres Widerspruchs durch den Zeugeid erweisen.
Um nun diesen Mekereyen ein Ende zu machen und endlich Ruhe bekomme, sehe ich mich genötigt den Schutz der löblichen Herrschaft anzusuchen und indem ich zugleich widerspreche, dass das bei meinem Häuschen befindliche Gärtchen auf dem Grunde der 4 Hofstätter Bauern angelegt wurde, bitte ich das löbliche Gericht gemäß, dem Simon Ponweiser, Johann Schwarz und dem Mathias Binder sowie auch der Amaria Fuchs aufzutragen, dass sie in Betracht meines Gärtchens ihr vermeintliches Recht und ihre Behauptung so gewiß gegen mich ausführen, widrigens ihnen hierauf das ewige Stillschweigen auferlegt werden würde.

Als Folge dessen ist noch auf der Außenseite des Protokolls zu lesen:

Den Gegnern mit dem Bemerken zuzustellen, dass sie hierüber ihre Beantwortung oder Klage binnen 30 Tagen so
gewiß zu überreichen haben, widrigens ihnen diesfalls das ewige Stillschweigen auferlegt werden würde.

Nachbemerkung des Gerichtsdieners Holzer:

Zugestellt den 2tn. Jänner 1843 zu Handen Johann Schwarz.
Wurde von denen 4 Bauern zu Hofstätten die Übernahme und Überschrift verweigert, daher dem Gerichtsgeschworenen Jakob Schichtner übergeben.

So weit, so interessant!

Das jetzige alte Haus Nr. 115, vorher Nr. 114 und/oder auch Nr. 116, wurde von der Pfarre Bromberg unter Pfarrer Käser am 16.8.1792 an Johann Paul Wazilek und dessen Frau Ana Maria, verwitwete Lang(in) verkauft, es war eine Kapelle zum heiligen St. Michael.

Im Jahre 1758 hat Franz Lang im (Anm.: eher beim) Hause Nr. 115 (Kapelle), vielleicht in der schon erwähnten Hütte (Nr. 116?) mit Bewilligung der Gemeinde Schlatten eine Krämerei errichtet. Im Jahre 1786 suchte F. Lang bei der Herrschaft Kirchschlag um die behördliche Genehmigung zur Ausübung einer Krämerei an, welches Ansuchen vom Kreishauptmann Traiskirchen am 28.4. 1786 über Abstimmung der Krämer und Handelsleute bewilligt wurde. (Siehe diesbezügliches Dokument v. 1786).

Diese Passagen aus den Aufzeichnungen meines Großvaters scheinen merkwürdig, kam doch das Haus erst 1792 von der Kirche in weltlichen Besitz. Vielleicht stand neben der Kapelle bereits die später als Bier- und Brandweinschank bezeichnete Hütte, was auch die unterschiedliche Hausnummerierung erklären könnte. Denn der Verkauf der Kapelle in 1792 hängt wohl mit der Josefinischen Verfügung, „überflüssige“ kirchliche Gebäude zu veräußern, zusammen.

Franz Lang starb 1789 und seine Witwe Ana Maria führte wohl die Krämerei weiter, heiratete den J. P. Wazilek und sie kauften 1792 die Kapelle.

Von Wazilek und seiner Frau ging das Gebäude an deren Tochter Ana Maria (!) Lang (Langin) über. Peter Windbichler, geb. 6.2.1784, hat die Tochter Ana Maria Lang am 29.1.1819 geheiratet. Von der Lang war ein unehelicher Sohn da, um welchen sich Peter W. annehmen musste, der hieß Johann und wurde adoptiert („adapiert“).

Die Anna Maria Windbichler starb am 14.7.1830 an „Auszehrung“ und Altvater Peter (er kam durch den Ehepakt mit Anna Maria jetzt offensichtlich zum Haus), heiratete bereits am 12.10.1830 die Katharina Grabner, geb. 12.8.1802, gest. 12.9.1881. Sie stammte vom Trauerschmidhaus Nr. 53 aus Schlatten.

Es sind jedenfalls 4 Kinder zur Welt gekommen, und zwar ein Anton, der am 27.12.1831 zur Welt kam, aber bereits am 11.1.1832 an der Fraisen (=Krampfzustände) verstarb, weiters Johann, geb. 19.6.1838, Rosalia, verehelichte Panis (Panbäurin) und Anna Maria, verehelichte Hofstätter, Kleinhäusler Stögersbach Nr. 3, jetzt Stocker. Hofstätter war Zimmermann.

Peter Windbichler betrieb die Krämerei und war wohl auch noch Wagnermeister. Die Waren zur Kämerei verschaffte er sich aus Wien, da es in Wr. Neustadt noch keine Einkaufsquellen gab. Er hatte eine Kraxe, welche noch lange im Haus aufbewahrt worden war und ging und teilweise fuhr er mit Fahrgelegenheiten und auch mit dem Schlepper am Kanal Wr.Neustadt – Wien, Eisenbahn gab es dazumal nicht, nach Wien.

Peter Windbichler diente beim Militär 4 Jahre 10 Monate und erhielt am 9. Juli 1813 seinen Abschied.

Siehe Bild 19 und 20

Altvater Peter Windbichler starb übrigens bereits am 22.9.1854, so dass ihn unser Hauptchronist GROSSVATER Johann, geb. 1866, nicht mehr kannte.

Siehe dazu auch die Dokumente von 1855 bezüglich Einantwortung und Erbteilung.

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