20. Oktober 2019

Das Online-Ahnenbuch der Familie Windbichler

Kapitel 9: Vater

Johann Windbichler III.,
geb. 30.11.1911, gest. 2.5.1986

Mein Vater hatte in seinem Leben nicht gerade häufig Glück. Als Kind erlebte er den ersten Weltkrieg und in den 20er Jahren die schwierige Inflations- und Krisenzeit.

Nach der Schulzeit in Bromberg und Wr. Neustadt lernte er dort Eisenhändler (Fa. Siegl, Fa. Angst) und besuchte die Abendhandelsschule. Dann ging er nach Aspang und lernte Gemischtwarenhandel (Fa. Super). In Aspang war er auch Vorturner im örtlichen Turnverein und „Hahn im Korb“ bei den weiblichen Turnerinnen, wie er oft erzählte.

In dieser Zeit dürfte er der Heimwehr beigetreten sein, der er eher fanatisch angehörte. Details waren aber aus ihm nie herauszubringen.

Siehe Bild 34

1929 kam er nach Hause in das Geschäft seines damals bereits fast 65-jährigen Vaters. Das ging nicht lange gut. Aber als er seinen Vater vor die Alternative stellte, ihm das Geschäft zu übergeben oder er würde sich wieder aus Bromberg entfernen, übergab der alte Herr mit Vaters Heirat 1939 seinen Besitz an sein ohnehin einziges Kind.

In seiner jugendlichen Zeit war mein Vater ein passionierter Motorrad- und später dann Autofahrer. Er fuhr in diesen Jahren sehr elegante und wohl auch teure Autos.

1937/38 baute er das Haus, in dem meine Frau Elisabeth und ich seit unserer Heirat 1967 bis heute in Bromberg wohnen.

Siehe Bild 24, 25, 26a + b, 37 a + b

Mit unserer Hochzeit haben meine Eltern dieses Haus und das gesamte Areal drumherum auf meine Frau und mich übertragen. Bis 1970 wohnten wir darin voll und als wir nach Wien zogen, waren wir zumindest an den meisten Wochenenden, auch der Kinder wegen gerne dort. Das Haus haben wir unter architektonischer Betreuung unseres Sohnes Johannes von 1997 – 1999 gründlich renoviert.

Dieses Haus war im Erdgeschoss als Lebensmittelgeschäft ausgestattet.

Schon 1934 hatte Vater seine spätere Frau kennen gelernt, die er 1939 heiratete, was nicht ohne Pikanterie war, stammte sie doch aus dem örtlichen Konkurrenzgeschäft. Vor allem die Schwiegermütter waren nicht von übertriebener Zuneigung zueinander.

Aber auch der Bruder meiner Mutter und mein Vater dürften sich nicht leicht geredet haben, war jener doch ein überzeugter Nationalsozialist.

1940, als ich geboren wurde, war inzwischen mein Vater in den zweiten Weltkrieg eingerückt, sodass meine Mutter praktisch alleine die Last und Verantwortung für das Geschäft zu tragen hatte.

Er war einer der ersten, die eingezogen worden waren, weil er kein Nazi-Sympathisant war. Er war kurzfristig sogar inhaftiert.

1941 kam er bereits aus dem Krieg zurück, gehunfähig, weil er an Ischias, einer Nervenentzündung, litt, die ihn bis 1944 schwer behinderte.

Siehe Bild 35 und 36

In dieser sogenannten Nazi-Zeit wurde er auf Grund seiner Haltung aus allen örtlichen Vereinen ausgeschlossen.

Dies hatte zur Folge, dass er in seinen weiteren Lebensjahren eher den Menschen ausgewichen ist. Nur die Jagd (er war über 40 Jahre Jagdleiter in Bromberg) war und blieb seine große Leidenschaft. Er hat später auch sehr darunter gelitten, dass ich nie die Jagdprüfung gemacht habe.

Die 30er Jahre waren sicher seine glücklichsten, denn die nicht gerade lustige Kriegszeit endete mit dem Brand meines Elternhauses (siehe Bild 54), das später mein Bruder Franz (siehe Bild 43), geb. 22.3.1953, erbte, der es schließlich 1999 verkaufte.

Wahrscheinlich wurde der Brand, dem auch andere Häuser in Bromberg zum Opfer fielen, von durchziehenden Sowjettruppen „in Tateinheit“ mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aus dem Osten gelegt. Nicht nach politischen Gesichtspunkten, sondern eher nach dem Aspekt: „Schadet den – angeblich – Reichen.“

Mein Großvater schreibt an anderer Stelle, dass das Haus durch deutsche Fliegerbomben in Brand gesteckt wurde, aber da dürfte er sich geirrt haben, bedenkt man wieviele andere Häuser in Bromberg in dieser Zeit ein Raub der Flammen wurden.

Bereits wenige Tage nach Kriegsende haben meine Eltern das Geschäft im Haus Nr 115 (heute Hauptstrasse 13) wieder aufgesperrt und die wenigen, nicht geraubten Waren in kleinen Portionen an die Bevölkerung verkauft. Dann begannen meine Eltern mit dem Wiederaufbau des Hauses Nr. 16 (heute Markt 16, Besitzer Fam. Ing. F. Hofer) und waren 1947 fertig.

Dieser rasche Aufbau war ein Fehler, da Vater damit die Möglichkeit, günstige Wiederaufbaukredite zu bekommen, verwirkt hatte, denn die bekam man nur, wenn man zuwartete, bis die entsprechenden Gesetze da waren. Damit war die Rückzahlungsbelastung viel zu groß und er hat sich, weil er auch als Geschäftsmann zu gutmütig war (meine Mutter sagte oft zu ihm: „Du wärest besser Armenrat geworden“), finanziell eigentlich nie mehr richtig erfangen.

Einige Jahre nach dem Krieg hat er noch für relativ kurze Zeit das Amt des Vizebürgermeisters bekleidet, in diese Zeit fiel unter anderem der Bau der Strasse von Bromberg nach Schlag, was ihm nicht nur wegen der umstrittenen Trassierung (über Stögersbach oder über die Schlattener Seite, was letztlich der Fall war), viel Ärger bereitete.

In den Folgejahren musste er akzeptieren, dass ich den Betrieb nicht übernehmen wollte, sodass er ihn schließlich 1976 verpachtete. Als er gestorben war, wirtschaftete der Pächter das Geschäft relativ rasch in den Ruin.

Die Jahre im Ruhestand waren für meine Mutter und den Vater noch eine recht angenehme Zeit, in denen er sich vor allem der Jagd und den örtlichen Pensionisten widmete, bis er schwer erkrankte. Er ist am 2.5.1986 an Darmkrebs gestorben.

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