{"id":30,"date":"2007-10-21T14:05:24","date_gmt":"2007-10-21T12:05:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wibi.homeip.net\/wp_fam\/?page_id=30"},"modified":"2023-05-22T08:02:44","modified_gmt":"2023-05-22T06:02:44","slug":"kapitel-14-1945-april-bis-juni","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/titelseite\/kapitel-14-1945-april-bis-juni\/","title":{"rendered":"Kapitel 14: 1945 &#8211; April bis Juni"},"content":{"rendered":"<p><em>Hinweis: Die Kapitel 13 bis 15 beinhalten Eintragungen aus dem Gedenkbuch meines Gro\u00dfvaters Johann W. II, die sich mit den Ereignissen im M\u00e4rz 1938 (<a href=\"http:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/?page_id=29\">Kapitel 13<\/a>), der Zeit des Kriegsendes zwischen April und Juni 1945 (<a href=\"http:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/?page_id=30\">Kapitel 14<\/a>) und den Zust\u00e4nden im sowjetisch besetzten \u00d6sterreich (<a href=\"http:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/?page_id=42\">Kapitel 15<\/a>) besch\u00e4ftigen. Im gedruckten Buch werden diese drei Kapitel unter dem Sondertitel <strong>&#8220;Die Tage, als aus \u00d6sterreich die Ostmark wurde und die Zeit, als der 2. Weltkrieg zu Ende ging&#8221;<\/strong> als eigenst\u00e4ndiger Teil gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Kriegsende<br \/>\nAus meines Gro\u00dfvaters Erinnerungen<\/strong><\/p>\n<p>Am 30. 03. 1945 um circa 4 h nachmittags sind ich und Mutter mittels Auto nach Holzerh\u00f6fen zur Ponweiser Hannerl gefl\u00fcchtet u. haben das notwendigste mitgenommen. Um circa 6 h fuhr Hansl mit Hilda, Hansi und den M\u00e4dchen Gretl Auracher u. Theresia Handler und mit n\u00f6tigem Gep\u00e4ck nach. Das Auto lie\u00df er mit vielem Gep\u00e4ck bei Schrammel in Zaunegghof. Hansl ging allein wieder zur\u00fcck nach Bromberg u. fand schon in der Wohnung einen Ungarn, der ausr\u00e4umen wollte, welchen er hinaus jagte. Um 2 h 20 Samstag fr\u00fch kam der erste Panzer beim Baumgartner Wirt an und so ging es lange Zeit mit den Panzern fort gegen Wr. Neustadt. In Erlach war Widerstand, wo 18 Panzer abgeschossen wurden, aber nicht aufzuhalten waren. Die Russen ziehen ununterbrochen durch u. wurde dabei gepl\u00fcndert und verw\u00fcstet u. Frauen u. M\u00e4dchen vergewaltigt ohne R\u00fccksicht.<\/p>\n<p>Am 31. 03. nachts (Karsamstag) brannte das Roggenburg Nr. 157 ab wo die Parteien Floner Johann und Fellner wohnten.<\/p>\n<p>Am 31. 03. 45 wurde der Turm von der Annakirche bei Wiesmath durch eine Bombe abgeschossen u. am 02. 04. brannte das Putzenbauer unter der Anna Kirche ab.<\/p>\n<p>Am 01. 04. (Ostersonntag) um 10 h vormittags ist unser Haus Nr. 16 bis auf den Grund durch deutsche Bomben (Spreng- und Brandbomben) niedergebrannt. S\u00e4mtliche Einrichtung, M\u00f6bel und W\u00e4sche, Warenvorr\u00e4te wurden vernichtet, es blieben nur die Mauern stehen. (<em>Anmerkung: Wahrscheinlicher ist, dass das Haus von durchziehenden Russen bzw. Zwangsarbeitern in Brand gesteckt worden ist)<\/em>.<br \/>\nAm 01. 04. auf 02. 04. ist das Kaufmannsgesch\u00e4ft und das Wohnhaus v. Roggenburg samt den Vorr\u00e4ten total niedergebrannt. Auch gleichzeitig das Baumgartner Wirtshaus total niedergebrannt. Letztere Geb\u00e4ude Roggenburg und Baumgartner sind angez\u00fcndet worden.<\/p>\n<p>Am 01. 04. auf den 02. 04. nachts hat sich Franz Roggenburg jun. samt Frau Stefanie Roggenburg geb. Aichinger, durch Erh\u00e4ngen bei Schwarzl im Schlagergraben das Leben genommen. Sie wurden im Wald beerdigt bis man wieder zum Friedhof kommen konnte. (Am 28. 10. 45 wurden sie am Friedhof beigesetzt.)<\/p>\n<p>Martin Handler (Sch\u00fctzenhof) hat seine Frau Karoline Handler geb Schilcher aus Theresienfeld und seine 2 Buben Martin 10 Jahre alt und Fritz 6 Jahre alt und sich selbst erschossen . Auf dem kleinen Hartberg wenn man zum Langegger geht teilen sich 2 Wege und auf dem nach Breitenbuch wurden von Frau Lechner (Schwester) alle 4 erschossen aufgefunden. Ein Russe wollte die Frau vergewaltigen, auf die Hilferufe kam Handlerin, warf den Russen auf den Boden, worauf der Russe gesagt hat, er holt Kameraden u sie w\u00fcrden erschossen. Sie wurden am Friedhof beerdigt.<\/p>\n<p>Am 01. 04. 45 ist der B\u00fcrgermeister Karl Steiner im Spritzengraben erschossen worden. Es wurde v den Russen in sein Haus hinein geschossen, worauf er mit seinem Gewehr vor die Haust\u00fcre trat u im selben Augenblick schossen ihn die Russen nieder (es sollen Polen gewesen sein). Er wurde bei seinem Haus begraben. (Am 22. 04. kam er in den Friedhof.)<\/p>\n<p>Am 02. 04. wurde die Frau Titz wegen Abwehr von einer Vergewaltigung von Russen erschossen. Gleichzeitig danach kam der selbe Russe am Steinhof, der alte Dominikus Pichler, 82 Jahre alt, ging vom Wirtschaftshaus in sein Ausnahmsst\u00fcbel, der Russe rief ihn an stehen zu bleiben, da er geh\u00f6rlos war, blieb er nicht stehen und wurde erschossen. Beide, Titz und Pichler wurden in der N\u00e4he des Hauses beerdigt, am 19. 04. wurden beide im Friedhof beerdigt.<\/p>\n<p>Der Tierarzt Dr. Winkler aus Wiesmath wurde im Stanglgraben im Obstgarten von Fr\u00fchwirth am 03. 04. 45 erh\u00e4ngt aufgefunden, am 28. 10. 45 nach Wr. Neustadt \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Vom 02. 04. an wurde Wr Neustadt von den Russen besetzt. Die K\u00e4mpfe auf der Hohen Wand, Gutenstein, Piesting, Rax, in den Hochgebirgen dauern schon 3 Wochen, was durch die SS gehalten wird, noch an.<\/p>\n<p>In Schlatten N 54 bei Hei\u00dfenberger (Elekt.) wurde ein Lazarett am 03. 04. errichtet welches blo\u00df 2 Tage dauerte. Es kamen Transportverwundete und auch Verwundete durch den Widerstand in Erlach in Betracht.<\/p>\n<p>Am 03. 04. hat sich Ernst, Bauernf\u00fchrer (war vorher P\u00e4chter vom Milchrahm-Haus in Hart) v Hollenthon, seine Frau, 5 Kinder, 1 Dienstm\u00e4dchen u sich selbst erschossen.<\/p>\n<p>Am 03. 04. brannte das Bernhard g\u00e4nzlich nieder u der Pfarrhof, was Wohngeb\u00e4ude anbelangt, auch da sind s\u00e4mtliche M\u00f6beln, B\u00fccher u W\u00e4sche, Kleider kurz alles zu Grunde gegangen. 80 Eimer Most haben die Russen ausrinnen lassen, die Ochsen, K\u00fche, Schweindln weggenommen.<\/p>\n<p>Am 04. 04. 45 wurden am Ohaberg der Truppenf\u00fchrer v Arbeitsdienst v Wiesmath, Stransky mit Frau und Kindern u Mutter v den Russen erschossen u dort beerdigt. War Parteigenosse. (Am 01. 04. 46 wurden dieselben am Friedhof Bromberg beerdigt).<br \/>\nAm 05. 04. um circa 6 h ist durch einen Flieger bei J. Piribauer Steinbichl N 25 Scheuer, Schupfe und das Dach vom Stall abgebrannt.<\/p>\n<p>Geraubt u gepl\u00fcndert u verw\u00fcstet wurde beinahe in jedem Haus. <strong>Das Auto von Hansl stand beim Schrammel Zaunegghof beladen mit Koffern, Kisten und Gep\u00e4ck, was alles gestohlen wurde.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDas Auto vom Roggenburg stand im Schlager Wald, wurde auch gestohlen.<\/p>\n<p>Vom Leichenwagen wurden das Dach und die 4 St\u00fctzen weg genommen u gestohlen. In der Kirche wurde von der Orgel der Blasbalg durchschnitten.<\/p>\n<p>Im Windbichler Gasthaus wurde gezecht u gefressen und zum Schlu\u00df alles ausgeraubt und alles beschmutzt und als Abort verwendet.<\/p>\n<p>Der Sch\u00fctzenhof ist von Erlacher und Pittner Arbeitern ausger\u00e4umt worden u steht ganz leer da, nicht eine einzige Henne ist zu sehen.<\/p>\n<p>Am 06. 04. wurde Peter K\u00f6gler Schlatten 39 B\u00fcrgermeister, derselbe hat nur Pflichten, aber keine Rechte, ist haupts\u00e4chlich wegen der Ern\u00e4hrung aufgestellt worden.<\/p>\n<p>Viel Schuld bei dem Rauben hatten die Polen, die haben alles was versteckt war verraten. Auch haben die Russen wenig Frauenkleider genommen, aber was der Russe stehen lassen hat, hat der Pole genommen. Die Russen gingen gro\u00dfteils nur auf Uhren u Schmuck aus. Die Polen haben ganze W\u00e4gen voll weggeschleppt. Die Stachlm\u00fchle in U.Bromberg war sozusagen eine Herberge, da wurde alles gepl\u00fcndert u geraubt. Es gibt kein Haus wo sie nicht waren.<\/p>\n<p><strong>Im untern Gesch\u00e4ft vielmehr im 1. Stock in den Zimmern haben bekannte Gesch\u00e4fte verschiedenes aufzuheben gegeben: z.B. Frau Pollak aus Wien 5 Ballen Stoffe, Herr Kn\u00f6dl aus Wr. Neustadt f\u00fcr 2 Betten neue Matratzen, 1 Bild. Firma Gabriel aus Wr Neustadt 3 oder 4 Koffer mit Schuhen, Notar Lausnausky aus Wr. Neustadtt verschiedene Sachen, was alles verbrannt ist.<\/strong><\/p>\n<p>Im oberen Haus hat Herr Posch Sattlermeister aus Wr Neustadt 2 Kisten Lederwaren, Frau Heinisch einige Kisten Herren- u Frauen-W\u00e4sche, H. Kuderna aus Wr. Neustadt viele Kartone Schul- u Schreibrequisiten, Frau Laferl 2 Sesseln, ein Sofa und einen Tisch, H. Strasser Obmann v Wr. Neustadt 2 wunderbare K\u00e4sten mit W\u00e4sche aufbewahrt. Die K\u00e4sten wurden zerschlagen und der Inhalt von s\u00e4mtlichen Kisten und Kartons geraubt.<\/p>\n<p>Der Wert von den gestohlenen, geraubten und verbrannten sowie verw\u00fcsteten Sachen ist f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse enorm.<\/p>\n<p><strong><em>Ereignisse in Holzerh\u00f6fen:&lt;\/center<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Am 05. 04. kamen vormittags 3 Russen und pl\u00fcnderten alles M\u00f6gliche u. nachmittags kamen wieder andere u. pl\u00fcnderten. Abends sa\u00dfen wir alle in der K\u00fcche, da kamen 2 junge Leger (?) und suchten die Gretl welche sie vormittags auf der N\u00e4hmaschine gesehen haben. (Doch inzwischen hatten die Eltern von Gretl diese nach Scheiblingkirchen nach Hause geholt). Das waren Verzweiflungsstunden. Da unsere Gretl nicht da war wollten sie die Gretl v d Hannerl. Da auch das ihnen nicht gelang drohten sie uns mit dem Erschie\u00dfen u .z. 2 mal. Da wurde der L\u00f6w Mitzi unwohl und fiel zusammen, wo alles zu Hilfe eilte, daraufhin gingen die Russen fort. Fast t\u00e4glich hatten wir Besuch v d Russen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Diese obige Erinnerung des Gro\u00dfvaters greift \u2013 aus meiner Sicht! \u2013 zu kurz! <\/strong><\/p>\n<p>Ich war damals gerade erst f\u00fcnf Jahre alt, aber die Szenen jenes Abends haben sich bei mir unausl\u00f6schlich eingepr\u00e4gt. Ich glaube, ich k\u00f6nnte sogar noch die Sitzpositionen der einzelnen anwesenden circa zehn Personen in der ger\u00e4umigen K\u00fcche rekonstruieren.<br \/>\nDie Grundgeschichte des Gro\u00dfvaters stimmt ja, aber die weiteren Ereignisse waren viel dramatischer.<br \/>\nDie zwei Soldaten, ein Wei\u00dfrusse (Offizier?) und ein Kasache, die damals allgemein als Mongolen bezeichnet wurden, standen in der K\u00fcche und der \u201eMongole\u201c wollte unbedingt eine junge Frau mitnehmen. Meine Gro\u00dfmutter stellte sich energisch dazwischen. Da versuchte der Mongole, ihr das am Herd stehende gro\u00dfe H\u00e4fen mit hei\u00dfem Wasser \u00fcber den Kopf zu sch\u00fctten. In diesem Moment sprang der Gro\u00dfvater auf, ri\u00df sein Hemd auf und schrie: \u201eErschie\u00dft mich!\u201c. Der Mongole hob das Gewehr in Gro\u00dfvaters Richtung.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick fiel die hochschwangere Frau Holzer (L\u00f6w Mitzi) in Ohnmacht und zu Boden. Das war f\u00fcr die zwei Soldaten zu viel! Sie verlie\u00dfen (wohl auch geschockt) blitzartig den Raum und wir h\u00f6rten nur noch, wie der eine das gesamte Magazin seiner MP in den dunklen Nachthimmel abfeuerte.<br \/>\nLangsam kehrte herinnen wieder Ruhe ein. Wie lange der eben \u00fcberstandene Schrecken allerdings bei den Erwachsenen noch nachwirkte, wei\u00df ich nat\u00fcrlich nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Am 08. 04. kamen abends 2 Russen mit dem Polen v. Reisenbauer, haben gepl\u00fcndert u blieben dann \u00fcber Nacht. In der Fr\u00fch ist der Pole den Russen abgefahren. Obwohl die Russen den Polen verfolgten, da er sie belogen hat, konnten sie ihn nicht einholen. Der Pole hat die Russen herauf geholt, damit er beim Stehlen von 2 Koffern Deckung hatte.<\/p>\n<p><strong>Am 09. 04. ist Hansl, Hilda, Hansi u Resi nach Bromberg gewandert.<\/strong><\/p>\n<p>Am 10. 04. kamen 3 Partisanen zum Schwarzl u suchten die Tochter des Schwarzl. Da sie dieselbe nicht fanden, wurde geraubt und gepl\u00fcndert. Sp\u00e4t nachmittags kamen 2 Partisanen zum Schafgraber und haben gestohlen u verw\u00fcstet. Diese beiden Partisanen kamen in der Fr\u00fch zu uns. Einer trat ganz frech in die K\u00fcche, er wurde gefragt was er will, so sagte er, er will sich was anschauen. Da zuf\u00e4llig der Sohn von der Schwester aus Hochwolkersdorf mit einem Reitpferd hier war, sagten wir da\u00df ein Offizier hier mit 2 Mann streifen tut, worauf sie verschwunden sind.<\/p>\n<p>Am 12. 04. kamen 3 Russen nach Holzerh\u00f6fen und Michlbach u holten sich 3 Fahrr\u00e4der. Und kamen t\u00e4glich Aufregungen da fort gepl\u00fcndert u verw\u00fcstet wird u zwar haupts\u00e4chlich v. Polen.<\/p>\n<p>Am 13. 04. ist die L\u00f6w u. Holzer mit Peterl v. Holzerh\u00f6fen fort.<\/p>\n<p>Am 13. 04. sind 2 rum\u00e4nische Partisanen im Reisenbauer St\u00fcbl \u00fcbernachtet und in der Fr\u00fch kamen sie zum Schafgraber um Cigaretten und pl\u00fcnderten.<\/p>\n<p>Am 14. 04. kamen in der Fr\u00fch zwei junge russische Soldaten zum Reisenbauer um ein Fr\u00fchst\u00fcck. Sie wurden bewirtet, dann kamen dieselben zu Hannerl wo sie eine Eierspeise bekamen.<\/p>\n<p><strong>Am 15. 04. hat Hansl verschiedene Sachen vom Roggenburg bei Schwarzl mit Hei\u00dfenberger Hofernazl Fuhrwerk weggef\u00fchrt. Auch f\u00fcr uns nahm er von der Hannerl mit.<\/strong><\/p>\n<p>Am 15. 04. gab der F\u00fchrer bekannt da\u00df Nieder Donau in den H\u00e4nden der Russen ist. Goebbels sagte im Radio: \u201eDie deutschen \u00d6sterreicher, die Schweine, haben uns im Stich gelassen.\u201c In Schlatten waren 75 Volkssturmm\u00e4nner mit 8 Gewehren, wie ist da eine Gegenwehr m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Am 19. 04. haben 3 Russen mit einem Wagen und 3 Pferden bei Eisinger gepl\u00fcndert u auch schon v Schlag herunter haben sie dasselbe gemacht u fuhren vollgepackt gegen 3-buchen, h\u00f6chstwahrscheinlich ins Burgenland.<\/p>\n<p>Am 21.04. kamen am Abend (Russen?) zum Piribauer Wirt in Ob.Schlatten, ersuchten zwei Frauen sie sollen f\u00fcr den Kapit\u00e4n in der Schule ein Essen richten. Die beiden Frauen gingen auf das ein, wo sie vergewaltigt wurden, und Kochen nur ein Vorwand war.<\/p>\n<p>Am 23. 04. kam ein gro\u00dfer Nachschub, 3 Divisionen v Russen um 11 Uhr nachts in Bromberg an. <strong>Da mussten oben die jungen Leute 3 Russen in ihren Betten \u00fcbernachten lassen <\/strong>u so ging es immer fort. Der Durchzug dauerte bis 27. 04. abends.<\/p>\n<p>Am 27. 04. kamen 2 Russen in die Holzerh\u00f6fen und wollten 2 Pferde, da dieselben am Feld waren, lie\u00df Hannerl die Pferde in den Wald f\u00fchren, wo man sie nicht fand. Zuf\u00e4llig war der Baumann dort der sich als Kommiss\u00e4r ausgab und so gingen die Russen wieder weg. Abends als wir alle beim Nachtmahl waren, kamen 2 berittene Russen, der eine beleuchtete die Wohnung und suchte blo\u00df M\u00e4dchen, da ihnen zu viel Leute anwesend waren, stiegen sie wieder zu Ro\u00df und ritten nach Steinb\u00fcchl, wo sie die Tochter v Piribauer vergewaltigten.<\/p>\n<p>Um 10 Uhr nachts kamen sie zum Reisenbauer um zu \u00fcbernachten.<\/p>\n<p>Am 27. 04. kam ein Ukrainer um ein Pferd zur Hannerl und suchte sich von den beiden Pferden eines aus und sagte er wird es holen, ist aber nie mehr gekommen dann.<\/p>\n<p>Am 28. 04. soll Mussolini in Mailand von seinen eigenen Leuten erschossen worden sein.<\/p>\n<p>Am 30. 04. musste Schafgraber das Milchf\u00fchren f\u00fcr Nestle \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Radio hat gemeldet dass am 15. 04. Dr. Schussnig im Konzentrationslager erschossen wurde, was aber nicht auf Wahrheit beruhte.<\/p>\n<p>Am 30. 04. kamen 4 W\u00e4gen und ein Auto. Letzteres mit 4 Russen und 2 Juden nach Schlag und nahmen alles m\u00f6gliche, Mehl Schmalz Schweine Eier u. Rinder. Schrammel wurde wie auch die Schlager Wirtin g\u00e4nzlich ausgeraubt, hat blo\u00df mehr 3 kleine Schweindln.<br \/>\nAm 02. 05. kamen 4 Russen angefahren u suchten nach Buschka. Bei dieser Durchsuchung fanden sie 1 Pkt. russischen Tabak welchen 2 Russen beim \u00dcbernachten liegen gelassen haben, das war eine f\u00fcrchterliche Aufregung bei den Russen. Die glaubten wir haben einen Russen get\u00f6tet. Sie nahmen 15 Eindosierungs Gl\u00e4ser und Schweinefleisch. Am gleichen Tag circa 1\/2 4 Uhr kamen wieder 4 Russen und suchten wieder nach Buschka, einer davon suchte mit Begleitung einer Person vom Haus, alle R\u00e4ume durch und zogen wieder ab.<\/p>\n<p>Am 03. 05. Abends um 1\/2 7 Uhr kamen 2 Russen angefahren u. holten bei Hannerl 2 Sack Hafer u. bei Reisenbauer 1 Sk. Hafer 1 Sk Mehl, diese Russen f\u00fchrte der Sagmeister zu den Bauern welcher von Russen bezahlt wurde daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Am 04. 05. Abends kam der Spenger Polak mit einem Russen, derselbe verlangte 200 Eier, da Hannerl keine hatte, ging er zu Reisenbauer verlangte 20 Hennen 1 Schwein u. bei Schafgraber auch dasselbe, es wurden ihm schon 10 Hennen in einen Sack gegeben, da fragte Schafgraber Sohn um eine Berechtigung, worauf er sagte die H\u00fchner sollen sie wieder ausleeren u. sagte er kommt morgen, ist aber nicht mehr gekommen.<\/p>\n<p>Am 05., 06. u. 07. war kein Russe in Holzerh\u00f6fen.<\/p>\n<p>Am 07. 05. um 1 Uhr fr\u00fch hat Deutschland kapituliert.<\/p>\n<p><strong>Am 08. 05. Nachmittags hat uns Hansl u. Hilda von Holzerh\u00f6fen geholt mit dem Fuhrwerk v. Hei\u00dfenberger (Hofer Nazl).<\/strong><\/p>\n<p><em>Hier enden die Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Ereignisse in Holzerh\u00f6fen<\/em>.<\/p>\n<p>Es ist kein Haus wo nicht die Russen gepl\u00fcndert u. verw\u00fcstet haben.<\/p>\n<p>Mitte Mai hat Japan den Russen den Krieg erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Am 20. 05. Pfingstsonntag wurde eine feierliche Messe gehalten wonach zum ersten Male wieder die Volkshymne auf der Orgel gespielt wurde.<\/p>\n<p>Am 20. 05. kamen noch Russen von Bruck a.d.Mur zur\u00fcck um Erd\u00e4pfel da dort keine zu bekommen waren.<\/p>\n<p>Am 02. 06. 945 mussten die Parteigenossen von den Nazi, die Auto-, Motorrad- Fahrr\u00e4derbestandteile welche in der Gemeinde von den Russen zur\u00fcck gelassen wurden zusammen r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Am 04. 06. fing die Schule in Bromberg unter Schulleiterin Mayerhofer an.<\/p>\n<p>Durchzug der Russen aus Steiermark am 05. 06. zogen einige Lastauto durch Richtung Wiesmath und Ungarn zu.<\/p>\n<p>Am 06. 06. zogen dieselbe Richtung schon mehrere u. 07. 06. \u00fcber 100 Lastauto, auch Vieh circa 30 St\u00fcck wurden durch getrieben.<\/p>\n<p>Am 07. 06. um 1\/2 8 Uhr Abends zogen Fu\u00dftruppen v. Erlach \u00fcber Stupferei Richtung Hochwolkersdorf. In Stupferei wollten die Russen vom Baumgartner Wirtschaftsbesitzer Pferde haben, da er sagte er geht um die Polizei, so wurde er erschossen. Leichenbeg\u00e4ngnis am Samstag um 9 Uhr Vormittags.<\/p>\n<p>Am 08. 06. ging in aller Fr\u00fch der Durchzug mit Lastauto, Pferdefuhrwerk und Fu\u00dftruppen wieder an. Die W\u00e4gen sind vollgepackt mit allen m\u00f6glichen Sachen, welche geraubt wurden. Es ist wohl eine russische Polizei hier aber die leben hier sehr gut und scheren sich um Niemand. Es wird von ihnen Most von den Bauern weg genommen u. besaufen sich. Von niemand bekommt man Hilfe.<\/p>\n<p>Am 14. 06. 945 mu\u00dften die Pg. v. Hitler sich in Wr. Neustadt verantworten, was blo\u00df Pg. waren bekamen eine R\u00fcge u. konnten nach Haus gehen. Die Illegalen Franz Piribauer Gastwirt Ob.Schlatten, Josef Hendling Bauer Mayerh\u00f6fen, Schneeweis Wirtschaftsp\u00e4chter, Reisenbauer v. Michlbach, Milchrahm Arbeiter in Schlatten mussten in Wr. Neustadt verbleiben und wurden zu Arbeiten herangezogen. (Am 14. 07. kam Hendling und am 19. 07. Piribauer Fr. nach Hause, am 12. 10. kam Milchrahm zur\u00fcck).<\/p>\n<p>Am 14. 06. 945 versuchte Gend.Insp. Annerl beim russischen Kommando in Wr. Neustadt um Beistehung einiger Mann von der Polizei, um Abhilfe zu schaffen von den vielen \u00dcberf\u00e4llen von Frauen u. R\u00e4uberei.<\/p>\n<p>Die Gendarmerie wurde am 30. 03. 945 aufgel\u00f6st. Da der Insp. Annerl russisch konnte, so konnte er als Dolmetsch bleiben.<\/p>\n<p>Am 16. 06. 945 wurde die Gendarmerie von Amerikanern unter Insp. Annerl wieder eingesetzt.<\/p>\n<p>Am 15. 06. sollten die Russen von dem amerikanisch besetzten Gebiet abziehen. Da aber 800-tausend Russen hier waren und die Transportmittel schlecht waren, so ging es l\u00e4nger her. \u00dcberhaupt wollten die Russen nicht weg, da es ihnen noch nie so gut gegangen ist, als in unserem Land. Russische Offiziere sagten wenn unsere Leute in Russland w\u00e4ren, so w\u00e4re Russland das reichste Reich von<\/p>\n<p>der ganzen Welt. Aber die Russen sind ein faules Volk u. haben keine Kultur.<\/p>\n<p>Hier in der Gemeinde wird noch immer geraubt. Offiziere kommen mit Luxusauto und rauben was sie erwischen k\u00f6nnen. Von Wien kommen sie zur\u00fcck und verlangen Eier, Butter, Kirschen, Hendln, Kartoffeln u. Vieh. Einige bezahlten was sie genommen haben, aber nicht einmal die H\u00e4lfte des Wertes. Andere bezahlten \u00fcberhaupt nichts.<\/p>\n<p>Am 16. 06. kamen 3 Mann russische Polizei. Am selben Tag wurde beim Hendling Edinggraben Leder geraubt, wo sofort nur die Polizei geschickt wurde. Nat\u00fcrlich lie\u00df sich die Polizei so lange Zeit bis die R\u00e4uber (Russen) fort waren. Aber daf\u00fcr hat ein Polizist einen Privaten begegnet und ihm Uhr u. Geld abgenommen, das hei\u00dft man Polizei.<\/p>\n<p>Am 21. 06. 945 kamen Russen zum Seidl Bauer in Klingfurt 146 und erschossen ein Schwein und haben es in der Scheune abgehaut und das Haus angez\u00fcndet welches total niederbrannte.<\/p>\n<p>Am 25. 06. fr\u00fch zogen circa 15 vollbeladene W\u00e4gen v. Russen von Erlach kommend durch das Schlattental. Trotz dass die W\u00e4gen schon schwer beladen waren, haben sie bei Handler Wirt bei helllichtem Tag bei einem Fenster eingebrochen und geraubt. Stachl M\u00fchler (Brenner) haben sie 2 Pferde auch mitgenommen. Vom 25igsten auf sechs und zwanzigsten wurde dem Haller Martin in Schlatten 39 ein Schwein gestohlen, bei Trinkl 80 derselben Nacht H\u00fchner und Hasen gestohlen.<\/p>\n<p>Am 26. 06. haben Russen einen Eber bei Neubauer in Dreibuchen N 71 gestohlen, da sie v. Gendarm erwischt wurden, mussten sie denselben zur\u00fcck geben, daraufhin stahlen sie bei Weninger Eichleiten ein Schwein und in der Fr\u00fch am 27. 06. 10 H\u00fchner, und von da gingen dieselben zum Haller (Gneisschneider N 111) und vergewaltigten Frau u. Tochter.<\/p>\n<p>Was jagdliche Beziehung ist, ist der Russe kein J\u00e4ger. Die schossen Reh und Hasen im April, Mai, Juni \u00fcberhaupt daweil sie da waren zu jeder Zeit. Gaisen Kitz tragende, Hasen was ihnen unterkam. Mit dem Schie\u00dfen waren sie verr\u00fcckt, den ganzen Tag wurde auf alles m\u00f6gliche geschossen, welche sie sich in den Bauernh\u00e4usern herrichten lie\u00dfen. Eine Lieblingsspeise war Eierspeis.<\/p>\n<p>Am 29. 06. kamen Russen mit einem Lastauto und nahmen ohne Bescheinigung beim Baumgartner M\u00fchler 2 S\u00e4cke Mehl, da gerade Polizei da war mussten die R. das Mehl zur\u00fcckgeben, die fuhren zu ihren Offizieren und diese kamen mit einem Luxusauto und holten das Mehl vom Baumgartner aber auch ohne Bescheinigung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/?page_id=29\">&lt;&lt; Voriges Kapitel<\/a> | <a href=\"http:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/?page_id=42\">N\u00e4chstes Kapitel &gt;&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Die Kapitel 13 bis 15 beinhalten Eintragungen aus dem Gedenkbuch meines Gro\u00dfvaters Johann W. II, die sich mit den Ereignissen im M\u00e4rz 1938 (Kapitel 13), der Zeit des Kriegsendes zwischen April und Juni 1945 (Kapitel 14) und den Zust\u00e4nden im sowjetisch besetzten \u00d6sterreich (Kapitel 15) besch\u00e4ftigen. 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