{"id":37,"date":"2007-10-21T16:39:24","date_gmt":"2007-10-21T14:39:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wibi.homeip.net\/wp_fam\/?page_id=37"},"modified":"2007-10-21T16:39:24","modified_gmt":"2007-10-21T14:39:24","slug":"anhang-7-afra-schickh","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wibi.homeip.net\/hub\/familie\/titelseite\/anhang\/anhang-7-afra-schickh\/","title":{"rendered":"Afra Schickh"},"content":{"rendered":"<p><em>Hinweis: Diese Dokumentation hat die Dorferneuerung Bromberg in Auftrag gegeben (verfasst wurde sie von Liesl Daniel). Sie ist nur deshalb hier von Interesse, weil A. Schickh ja eine Zeitgenossin der Gertrude Windpichler und deren Eltern war.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<blockquote><p>\u00bbEtwa 1640 kam eine 30j\u00e4hrige Frau aus der Mariazeller Gegend nach Bromberg. Sie war vermutlich einem der Bromberger Wallfahrer gefolgt, heiratete ihn sp\u00e4ter und wirtschaftete hier in der Schlatten mit ihrer Familie in einer kleinen Keuschen. Ihr Name war Afra Schickh. Der Vater war Klampfenschmied, ihr Bruder Joachim ein Maurer. Als ihre Nachbarn scheinen Ganser und Leuthner auf. Afra war jene Frau, die sp\u00e4ter als Hexe aus dem Schlattental noch traurige Ber\u00fchmtheit erlangen sollte. <\/p>\n<p>Afra Schickh \u00fcberlebte zwar zwei Ehem\u00e4nner, verlor aber f\u00fcnf ihrer neun Kinder, m\u00f6glicherweise durch Krankheiten wie Pocken und Ruhr.<\/p>\n<p>Zwei ihrer T\u00f6chter waren verheiratet. Eine ehelichte den Leuthner Ehndl, den Sohn des Nachbarn, und \u00fcbernahm 1670, nach dem Tod des Vaters, die kleine Wirtschaft in der Schlatten. Die andere lebte \u201eauch in Bromberg auf einem kleinen H\u00e4usl\u201c. Ein lediger Sohn war als Drescher im Pfarrhof zu Bromberg besch\u00e4ftigt, der andere im Kriegsdienst.<\/p>\n<p>Afra Schickh war eine naturverbundene Frau. Sie spezialisierte sich auf das Sammeln von Kr\u00e4utern, auf die Herstellung von Salben und auf allerlei heilende Praktiken:<br \/>\n\u201eGliderkhr\u00e4uter, Hirsch und L\u00f6wen Zungen, G\u00f6tter und Khuendlkhr\u00e4uter, Waldherren, Baumwollkhraut und viele andere mehr&#8230;\u201c verarbeitete sie. Oft hielt sie sich beim Kr\u00e4utersammelnan einer Quelle in Bromberg auf, deren Ort uns heute noch als \u201eHexenbr\u00fcnnl\u201c \u00fcberliefert ist.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Anmerkung: M.M. ist dieses \u201aHexenbr\u00fcndl\u2018 eine von manchen \u201eErfindungen\u201c von Willi Birnbauer, denn zeitgen\u00f6ssische Schulkollegen von mir k\u00f6nnen sich an diese Bezeichnung ebenso wenig erinnern wie ich selbst!<\/em><\/p>\n<blockquote><p>\u00bbBald wurde Afra zu Kranken gerufen und auch das Vieh wurde von ihr kuriert. An die hundert Hilfesuchende kamen jedes Jahr zu ihr. Mit zwei Kristallkugeln konnte sie \u201eKrankheiten und andere Anliegen der Menschen, so sie zu ihr gekommen und Hilfe und Rat begehrt, besehen und sodann teils mit Ansprechen, teils mit unterschiedlichen Kr\u00e4utern helfen und auch vielmals das Verlorene den Leuten wiederum zuweg bringen.\u201c<\/p>\n<p>Als \u201eweise Frau\u201c war Afra Schickh zwar angesehen, aber man betrachtete sie auch mit Mi\u00dftrauen. Woher hatte sie ihr geheimnisvolles Wissen und K\u00f6nnen?<\/p>\n<p>(Waren Frauen erst einmal als \u201eHegsinnen und Zauberinnen ausgeschryen\u201c, konnte man sie auch bald als Urheberinnen von Gewittern, Krankheiten und Ungl\u00fccksf\u00e4llen denunzieren. Ger\u00fcchte gen\u00fcgten bereits f\u00fcr eine \u201eEinziehung\u201c, also f\u00fcr eine Verhaftung).<\/p>\n<p>Auch Afra Schickh soll \u201eK\u00fche in ihr F\u00fcrtuch gemolken\u201c und \u201ezu Hollenthon jemandem zwei K\u00fche krank gemacht und die Milch genommen\u201c haben. Einer Scheiblingkirchnerin namens St\u00e4nglin, habe sie ihre zwei K\u00fche auf zwei Tage \u201eso verderbt\u201c, da\u00df sie statt Milch Blut gaben&#8230;<\/p>\n<p>Afra Schickh war bekannt bis Neckenmarkt und Lackenbach. Nicht zuletzt waren es ihre beiden Kristallkugeln, aus denen sie Zuk\u00fcnftiges und Krankheitsursachen las, die sie weithin bekannt machten.<\/p>\n<p>Weil ihr der Verwalter der Kirchschlager Herrschaft diese Kugeln abnehmen wollte, kam es mit ihr zum Streit. Als er dann einmal auf dem Heimweg vom Bromberger Pfarrer auf seinem Pferd einen Rheumaanfall erlitt und kaum mehr absteigen konnte, geriet die hilfreiche Frau aus dem Schlattental einmal mehr in den Verruf, eine Hexe zu sein.<\/p>\n<p><strong>\u201e&#8230;wie ein Khaz mit braiten Prankhen und H\u00f6rnern auf dem Khopf&#8230;\u201c<\/strong><\/p>\n<p>So soll der Schickhin ihr Teufel erschienen sein, dem sie sich, wie jede Hexe, mit Leib und Seele verschreiben musste. Daf\u00fcr brachte er ihr vielerlei b\u00f6se K\u00fcnste bei, so zum Beispiel auch, wie sie die sogenannte \u201eSchmier\u201c, die Hexensalbe, machen konnte, die ihr das Fliegen durch die Luft erm\u00f6glichen sollte, um dann an unheimlichen Orten, wie entlegenen Waldlichtungen, Wegkreuzungen oder Bergr\u00fccken am Hexensabbath teilzunehmen.<\/p>\n<p><strong>\u201e&#8230;hat sie drei Elstern zu Pulver brennen m\u00fcssen und hernach ein Schmer (Fett) genommen, Lein\u00f6l dazugegossen und selbiges untereinander samt dem Pulver anger\u00fchrt, also da\u00df wann sie hat alsdann hat wollen ausfahren, hat sie sich auf die Herdstatt in der Kuchl gesetzt, da dann der b\u00f6se Feind gekommen und ihr die untern Glieder damit geschmiert. Hernach hat sie sagen m\u00fcssen: \u201eNun in Teufels Namen fahre ich aus und nirgends an\u201c und habe also dar\u00fcber sich j\u00e4hlings erhebt und sei durch die T\u00fcre ausgefahren&#8230;\u201c,<\/strong><\/p>\n<p>So mag auch Afra Schickh in einen Sog aus Wahn und Denunziation geraten sein. Ein gewisser Michael Gs\u00f6ller, 70 Jahre und lange Jahre Viehh\u00fcter in Linsberg bei Erlach und in Schwarzau am Steinfelde, der in Wiener Neustadt in Haft sa\u00df, gab vor Gericht an, durch sie zur Hexerei und zum Teufelsbund gekommen zu sein. Afra Schickh wurde daraufhin verhaftet und am 3. August 1671 von der zust\u00e4ndigen Herrschaft Kirchschlag dem Landgericht Wiener Neustadt ausgeliefert.<\/p>\n<p>Der Proze\u00df gegen Afra Schickh wurde vom Landgericht Wiener Neustadt nach der seit 1656 geltenden \u201eNeuen peinlichen Landgerichts-Ordnung in \u00d6sterreich unter der Enns\u201c abgehandelt.<\/p>\n<p>Eine erste \u201eg\u00fctliche\u201c Befragung, bei der die Schlattentalerin ihre Unschuld beteuerte, erfolgte am 13. September 1671 durch den Stadtrichter Johann Paul Pleyer von Pleyern.<\/p>\n<p><em>(Bei weiteren Unschuldsbeteuerungen folgte die \u201epeinliche Befragung\u201c, die u a. auch zu Massendenunziationen f\u00fchrte).<\/em><\/p>\n<p>Der Schickhin wurden 57 Fragen gestellt. Sie gestand \u201eeinen kleinen Teufel in einem Glas auf dem Dachboden gehalten zu haben, den sie \u201eC\u00e4sperl\u201c nannte&#8230;..wenigstens habe sie bei 12 gro\u00dfe Schauer helfen machen. Der meiste ist bei Bromberg und um selbiges Revier niedergegangen &#8230;.. den gro\u00dfen Sturmwind im Stickelberger Wald machen helfen, darauf gleichfalls der ganze Wald verderbt&#8230;..auch j\u00e4he G\u00fcsse, und erst diesen Sommer bei Wiesmath&#8230;\u201c.<\/p>\n<p>Trotz allem, was die arme Afra Schickh beim Verh\u00f6r und im Kerker zu erdulden hatte, war sie stark genug geblieben, weder ihre Kinder, noch ihre Nachbarn zu denunzieren.<\/p>\n<p>Im Falle der Afra Schickh gab es einige \u201eZuschreiben\u201c von umliegenden Grundherrschaften, die die Frau entlasteten. So teilte der Marktrichter von Dra\u00dfmarkt dem Neust\u00e4dter Gerichte mit: \u201e&#8230;da\u00df wir von diesem Weib nichts be\u00df haben gesehen, allein sie hat un\u00df geholfen&#8230;\u201c. <\/p>\n<p>Diese Aussagen wurden jedoch nicht anerkannt, vielmehr traf bei Gericht ein Bote ein, der einen Tiegel \u201eHexenschmier\u201c aus Afras Besitz \u00fcberbrachte. <\/p>\n<p>Das Todesurteil lautete: \u201eDie Afra Schickh soll auf die Schrannen gef\u00fchrt, ihr allda ihre Missethaten \u00f6ffentlich vorgehalten und da sie nochmals gesteht zur \u00f6ffentlichen Richtstatt gef\u00fchrt und daselbst mit dem Feuer vom Leben zum Tode hingerichtet werden.\u201c<\/p>\n<p>Am 11. Dezember 1671 brach der Stadtrichter von Wiener Neustadt, Paul Pleyer, den Stab \u00fcber Afra Schickh und \u00fcbergab sie dem Freimann Gregor Grassinger zur Exekution. Vor dem Wienertor, in der N\u00e4he der Spinnerin am Kreuz, war der Scheiterhaufen errichtet. Man h\u00e4ngte ihr ein Pulvers\u00e4ckchen um den Hals, um ihr das Leiden zu verk\u00fcrzen und \u00fcberantwortete sie den Flammen.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Diese Dokumentation hat die Dorferneuerung Bromberg in Auftrag gegeben (verfasst wurde sie von Liesl Daniel). Sie ist nur deshalb hier von Interesse, weil A. Schickh ja eine Zeitgenossin der Gertrude Windpichler und deren Eltern war. \u00bbEtwa 1640 kam eine 30j\u00e4hrige Frau aus der Mariazeller Gegend nach Bromberg. 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